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Simmsheim liegt gleich bei Löbau

Jens Schöntube ist so etwas wie der Stadtbilderklärer von Simmsheim. Bei diesem Ort handelt es sich um eine fiktive Gemeinde im Miniaturformat, gleich hinter dem Löbauer Bahnhof. Dass die im Modelleisenbahn-Format H0 gehalten ist, wissen wiederum nur Modelleisenbahnfreunde.

Alfred Simm von den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden

Seit 1935 gibt es solch faszinierende Eisenbahnspielwelten im Maßstab von 1:87, die einen wirklichkeitsnahen Fahrbetrieb ermöglichen und nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringen. Acht Zugpaare passen auf die Landschaft von Simmsheim, die nach einem vorgegebenen Rhythmus in Bewegung sind. Hinzu kommen sollen auch noch Autos, und überhaupt erfährt der Zwergenort im Moment eine Runderneuerung, denn die alte Sperrholzplatte als Grund hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Der Name der Landschaft ist ein Dankeschön an Alfred Simm, den Vorsitzenden des Vereins der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde, sagen seine Mitarbeiter vom Modellbahnerclub. „Onkel Alfred“ engagiert sich seit vielen Jahren nicht nur für den Erhalt und Betrieb historischer Dampflokomotiven, sondern kümmert sich auch um die Jugend. Simm sei inzwischen auch fast schon ein Medienstar wegen seiner vielen Auftritte im Fernsehen. Da wäre es naheliegend, dass sich Leute angezogen fühlen, die Modelleisenbahnwelt zu besichtigen und immer mal vorbeizuschauen, wenn es etwas Neues in Simmsheim gebe. Und in dieser Hinsicht habe Alfred eigentlich immer was auf Lager.

Die Landschaft in und um Simmsheim gibt es, wie gesagt, schon ziemlich lange. Bereits in den 1960er Jahren wurde die Holzplatte liebevoll mit Schienen, Bahnhof und Signalanlagen bestückt. Häuser und Bäume, Rasen und Tiere kamen hinzu. Im Jahr 1965 stand die Anlage in der damaligen Löbauer Stadthalle. Sogar zwei Hochwasserkatastrophen hat Simmsheim hinter sich. Als das Holz einmal im ehemaligen Sägewerk in Weigsdorf-Köblitz lagerte, gab es dort einen Wassereinbruch und die gesamte Landschaft war braun, einschließlich der Elektronikteile, erzählt Eberhard Zinn, als zweiter Mann in Simmsheim tätig. Der gelernte Rundfunk- und Fernsehmechaniker sowie Elektromonteur kennt sich bestens mit Steuer- und Regelungstechnik aus, die für so eine Anlage notwendig ist. Als rüstiger Rentner und Modellbahnexperte zeichnet er heute verantwortlich für alles, was mit „unterirdischen“ Kabeln, Lichtsignalen oder Fahrtransformatoren auf der H0-Strecke zu tun hat. Gelernt hat er das alles aber selbst als Jugendlicher in einer Arbeitsgemeinschaft junger Modelleisenbahner vor vielen Jahren. Heute seien digitale Steuerungen natürlich der letzte Schrei, meint er, aber in Simmsheim gehe das Leben auch analog vonstatten, wie zu DDR-Zeiten eben. Allerdings gibt es immerhin eine Blocksicherung, und während der Ausstellungen mit viel Publikum werden die Züge per Computer gesteuert. Bei Gefahr eines Auffahrens zum Beispiel schaltet so der Automatikbetrieb auf ein anderes Gleis. Bei den Gebäuden hat Jens Schöntube eine Kirche dazugebaut. Sonst erinnert vieles noch an Ost-Modelleisenbahnromantik, vom Rasen bis zu den Bäumen.

Eberhard Zinn - als zweiter Mann in Simmsheim tätig

Spender können in Simmsheim schon Grundstücke erwerben. Diese befinden sich direkt an der Hauptstraße. Allerdings, so Schöntube, stehe der Preis dafür noch nicht fest. Auch ein Haus von Alfred Simm gibt es noch nicht, allerdings bald ein Dorfzentrum, wo sein Eisenbahnergeist dann symbolisch einen Platz haben könnte.

In den bevorstehenden Winterferien werden auch erstmalig Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 16 Jahren einen Blick auf Simmsheim werfen können. Während einer Modelleisenbahn-Erlebniswoche lernen sie dann die wichtigsten Handgriffe rund um den Aufbau von Modelleisenbahnen. Die Teilnehmer werden ein Diorama auf einer Sperrholzplatte bauen. Das können sie am Ende des Kurses auch mit nach Hause nehmen.

Quelle: Sächsische Zeitung, Lokalausgabe Löbau, 03.02.2014